„Fürchterliche Amokfahrt“ – Autofahrer rast in Menschenmenge, zwei Tote
In einer Einkaufsstraße in Leipzig fährt ein Autofahrer am Nachmittag in eine Menschengruppe. Zwei Menschen werden getötet und mehrere verletzt. Der Fahrer wird festgenommen – die Polizei nennt erste Details.
In Leipzig ist ein Autofahrer mitten am Tag in eine Menschenmenge gefahren. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sprach am Abend bei einer Pressekonferenz von mindestens zwei Toten, drei Schwerverletzten und „vielen weiteren Verletzten“. Nach Angaben des Leipziger Branddirektors Axel Schuh gab es „20 Betroffene“. Nähere Angaben über die Opfer konnten die Behörden noch nicht machen.
Der Fahrer wurde inzwischen festgenommen, von ihm gehe derzeit keine Gefahr mehr aus, teilte die Polizei mit. Einer Sprecherin zufolge saß der mutmaßliche Täter noch in dem Auto, als die Polizei eintraf. Der Mann habe den Wagen selbst gestoppt.
Bei dem Festgenommenen handelt es sich laut Polizei um einen 33-Jährigen mit deutscher Staatsangehörigkeit, der in Deutschland geboren ist und in Leipzig lebt. Er befindet sich nun im polizeilichen Gewahrsam.
Nach Informationen von WELT soll es sich bei dem Tatverdächtigen um den Boxtrainer Jefferey K. handeln. Zahlreiche Bilder zeigen ihn im Internet. Es kursiert zudem auch ein Video, das den Moment der Festnahme zeigen soll. Eine offizielle Bestätigung für die Echtheit des Videos oder die Identität des Mannes gibt es bislang nicht. Der Festgenommene soll zudem polizeibekannt sein und sich bei der Festnahme in einem psychischen Ausnahmezustand befunden haben. Die Tat soll demnach aktuell nicht der politisch motivierten Kriminalität links, rechts oder islamistisch zugeordnet werden, es gehe vielmehr in Richtung „Beziehungstat“. Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht.
„Wir gehen von einer Amokfahrt aus“, sagte die leitende Oberstaatsanwältin Claudia Laube bei einer Pressekonferenz. Es gebe derzeit „keinerlei Anhaltspunkte für eine andere Lesart, es gibt keinerlei Anhaltspunkte für einen weiteren Tatbeteiligten“. Gegen den Fahrer werde wegen zweifachen Mordes und mindestens zweifachen versuchten Mordes ermittelt, teilte eine Polizeisprecherin mit.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer schrieb über die Amokfahrt im Onlinedienst X: „Das erschüttert mich zutiefst. Ich bin in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien. Den Verletzten wünsche ich Kraft und schnelle Genesung. So eine Tat macht uns sprachlos – und sie macht uns entschlossen.“ Der Rechtsstaat werde mit aller Konsequenz handeln. Jetzt werde es darum gehen, füreinander da zu sein. „Sachsen hält zusammen.“
Was über den Ablauf der Tat bekannt ist
Nach ersten Angaben fuhr der Täter aus Richtung Augustusplatz kommend über die Grimmaische Straße, eine Einkaufsstraße, bis zum Markt. Auf Bildern war ein graues Auto mit beschädigter Kühlerhaube und zersplitterter Windschutzscheibe vor einem Poller zu sehen. Laut „Bild“-Zeitung fuhr der Fahrer mit hoher Geschwindigkeit.
Nach den Worten des Leipziger Polizeipräsidenten René Demmler kam es dabei zu „zwei schweren Kollisionen“, durch die zwei Passanten gestorben seien. Zudem gebe es eine große Zahl Verletzter. Oberstaatsanwältin Laube sprach von Menschen, „die in Krankenhäusern um ihr Leben kämpfen“.
„Ich war gerade in einem Geschäft, als ich ein lautes Geräusch hörte. Hier ist einer durchgebrettert“, berichtete ein Augenzeuge der „Leipziger Volkszeitung“.
Die Lage sei geklärt, sagte Jung in seinem Statement. „Es gibt keine Gefährdungslage mehr.“ Es gebe einen „Großeinsatz“. Er sprach von einer „fürchterlichen Amokfahrt“. Er sei in Gedanken bei den Opfern und Angehörigen, sagte Jung. Ein Kriseninterventionsteam bot Betroffenen Hilfe an.
In den sozialen Medien waren von dem Einsatz Bilder mit Helikopter und zahlreichen Rettungswagen zu sehen. „Die Rettungskräfte haben einen Massenanfall von Verletzten ausgerufen, die Polizei ist mit vielen Kräften im Einsatz“, erklärte die Polizei.
Die Polizei schaltete ein Hinweisportal und ein Hinweistelefon frei. Dort können Zeugen unter anderem Fotos und Videos hochladen oder Hinweise zum Tathergang geben.
Im Kurzbotschaftendienst X warnten die Beamten parallel vor der Verbreitung von „ungeprüften Meldungen und Fotos“. Sie riefen dazu auf, nur verifizierte Nachrichtenquellen und Behördenaccounts zu nutzen.
Dieser Text wird fortlaufend aktualisiert.
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